Exuma – zwischen Postkartenidylle und Realität
- Naila S.
- 14. Juli
- 10 Min. Lesezeit
Als wir im Internet, beim Stöbern nach Bahamas-Tipps und Erfahrungen anderer Reiseblogger, über den Satz „Exuma – fernab von jeglichem Trubel“ gestolpert sind, war für uns schnell klar: Diese Insel soll es werden. Die Beschreibungen versprachen Natur pur, wenige Touristen, viele Tiere und türkisblaues Wasser. Genau das, was wir suchten.
Anreise über Nassau, ein Pflichtstopp, der uns nicht wirklich abgeholt hat
Wir hatten keine Lust auf Luxus oder Party, sondern auf Ruhe, Ursprünglichkeit und ein wenig Abenteuer. Also planten wir unsere Reise von Miami nach Exuma.

Da es keinen Direktflug von Miami nach Exuma gibt, mussten wir zuerst einen Zwischenstopp auf Nassau einlegen. Nassau ist die Hauptstadt der Bahamas und ehrlich gesagt ganz anders als das, was wir uns unter einem karibischen Inselgefühl vorgestellt hatten.
Die Stadt ist ziemlich voll, viele Straßen wirken laut, überlaufen und touristisch. Täglich legen hier mehrere Kreuzfahrtschiffe an und es fühlt sich schnell nach einer Art Durchgangsstation für viele Urlauber an. Nassau ist vor allem für seine riesigen Hotelanlagen bekannt, allen voran das Atlantis Paradise Island. Eine riesige Resort-Welt mit unzähligen Pools, Restaurants, dem größten Casino der Karibik und allem, was man sich unter einem amerikanischen All-Inclusive-Traum so vorstellen kann. Für mich ist diese Anlage das Las Vegas der Karibik.
Für uns war das ehrlich gesagt zu viel. Es wirkte alles sehr künstlich, laut und überladen. Wenn man genau so etwas sucht, ist Nassau sicher eine interessante Option, aber für uns fühlte es

sich nicht richtig an. Wir wollten ans Meer, in die Natur, einfach mal raus aus dem Trubel.
Zum Glück war unser Aufenthalt auf Nassau nur für eine Nacht geplant.
Am nächsten Morgen ging es weiter, mit einem kleinen Flieger Richtung Exuma. Und da hatten wir dann wirklich das Gefühl, dass der Urlaub endlich losgeht.

Ankunft auf Exuma – Zwischen Realität und Enttäuschung

Der Flughafen auf Exuma war winzig. Sobald man ausgestiegen war, hatte man das Gefühl, hier läuft alles ein bisschen einfacher und langsamer. Das Gebäude wirkte, als wäre es seit Jahrzehnten nicht renoviert worden. Der Boden rissig, der Check-in-Schalter halb offen, draußen warteten ein paar alte Taxis. Man merkte schnell, dass Exuma eine ganz andere Welt ist als Nassau.
Wir hatten vorab eine Unterkunft über Airbnb gebucht. Die Bilder der Unterkunft sahen einfach, aber ordentlich aus. Nichts Besonderes, aber genau das hatten wir gesucht. Doch vor Ort traf uns fast der Schlag. Schon beim Betreten sahen wir den Zustand: Der Boden schmutzig, Krümel, Haare, alte Flecken. Die Küche war kaum benutzbar- Die Mikrowelle und der Backofen waren kaputt, der Kühlschrank klebrig und alt. Das Sofa war so fleckig, dass ich es nicht einmal mit einem Handtuch als Unterlage genutzt hätte.

Im Bad lagen alte Haare, der Duschvorhang war alt und speckig, in den Ecken schwarzer Schimmel. Und das Bett? Ich hob die Decke an und eine Kakerlake sprang heraus. Unter der Matratze wuselten tausende von kleine Insekten und Bettwanzen herum. Die Matratze war durchgelegen und voller Flecken. Für 260 Euro pro Nacht war das eine Frechheit. Auch wenn uns klar war, dass diese Unterkunft bei dem Preis auf Exuma keine Luxus ist, so etwas hatten wir nicht erwartet.
Zum Glück konnten wir die Unterkunft problemlos über Airbnb stornieren und fanden eine neue Bleibe im gleichen Preissegment.
Einfach, aber sauber und direkt am Meer. Keine Kakerlaken, keine kaputte Küche, einfach ein Ort zum Runterkommen. Es war nicht das, was wir uns ursprünglich vorgestellt hatten, aber zumindest fühlten wir uns wieder wohl.

Das zweite Apartment war deutlich besser, auch wenn das Preis/Leistung Verhältnis immer noch nicht stimmte. Für etwa 280 Euro pro Nacht bekamen wir immerhin ein sauberes Zimmer und die Nähe zum Strand.

Ein Pluspunkt: Es gab Kajaks, die wir nutzen konnten.
Und.. direkt gegenüber unserer Unterkunft im Meer, lag Pig Island Major Bay, die bekannte Insel mit den schwimmenden Schweinen.
Pig Island,anders als erwartet
Natürlich wollten wir auch Pig Island (Major Bay Island) besuchen.
Die Insel mit den berühmten schwimmenden Schweinen sieht man überall auf Social Media. Türkisblaues Wasser, weiße Strände und dazwischen kleine Schweinchen, die scheinbar entspannt durchs Meer schwimmen. Klar, das wollten wir uns nicht entgehen lassen.
Wir beobachteten über zwei Tage hinweg, wie täglich am Vormittag Touristenboote dort anlegten. Die Insel war dann für eine Stunde voll, bevor alle wieder zurückfuhren. Genau das wollten wir vermeiden. Also warteten wir bewusst bis zum Nachmittag, wenn die Boote weg waren und wieder Ruhe einkehrte.
Eine geführte Bootstour kam für uns nicht infrage. Nicht nur, weil wir gerne unabhängig unterwegs sind, sondern vor allem wegen der Preise. Eine Tour nach Major Bay kostet je nach Anbieter zwischen 200 und 300 Dollar pro Person. Und das nur für eine Stunde und ein paar Bilder mit Schweinen. Für uns war das einfach zu viel.
Da unsere Unterkunft direkt am Wasser lag und man von dort aus Major Bay sehen konnte, entschieden wir uns für eine Alternative. Wir nutzten die Kajaks, die uns zur Verfügung standen, und paddelten selbst los. Abenteuerlich, günstiger und vor allem flexibel.
Was auf der Karte harmlos aussah, war in der Realität ein echter Kraftakt. Das Wasser war unruhig, die Strömung stark. Immer wieder wurden wir zurückgezogen. Am Ende brauchten wir fast eineinhalb Stunden ohne Pause bis wir endlich an der Insel ankamen.

Als wir unser Kajak an den Strand zogen, war niemand da. Keine Boote, keine Menschen,
nur wir und diese Insel. Wir gingen ein Stück über den Strand und hielten Ausschau. Zuerst war es ruhig, dann kamen sie. Erst ein Schwein, dann zwei, dann ein ganzes Dutzend und keines davon so süß und klein, wie man es von Instagram kennt. Die Schweine waren riesig, kräftig und aufdringlich.
Wir hatten ein paar Snacks dabei, wie empfohlen. Das reichte schon, damit die Tiere richtig neugierig wurden. Sie kamen näher, schnüffelten an unseren Taschen, zogen an unseren Shorts und rissen am Rucksack.

Als wir ein kleines Ferkel entdeckten und es für ein Foto hochnahmen, fing es an zu quieken und plötzlich kamen all die anderen Schweine aus ihren Ecken.
Schnell, laut und richtig aufdringlich.
Mittendrin ein riesiger Eber. Er war groß, kräftig und mit einer Präsenz, die uns nicht gerade wohlfühlen ließ. Er schubste andere Schweine zur Seite, war dominant und alles andere als entspannt. Die Situation wurde zunehmend ungemütlich. Wir versuchten, langsam zurück Richtung Kajak zu gehen, doch die Schweine folgten uns. Sie bissen an unserer Kleidung, rissen an unseren Taschen und hörten nicht auf.

Ein Schwein kletterte ins Kajak, schnappte sich meine Shorts und kaute am Sitz herum. Das war der Moment, in dem wir einfach nur noch ins Kajak sprangen und lospaddelten. Zurück ins offene Wasser, ohne groß zu überlegen, was da sonst noch alles lauert. Hauptsache weg.

Die Rückfahrt war ruhig. Wir waren müde, aber irgendwie auch erleichtert. Es war ganz anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Es war nicht romantisch, nicht verspielt oder süß, sondern gefährlich und in keinsterweise eine schöne Situation oder Erinnerung. Wir vermuten, dass bei den geführten Touren die großen Schweine absichtlich weggetrieben werden, damit am Strand nur die kleinen und fotogenen Ferkel zu sehen sind.
Anders können wir uns den Unterschied zu den Bildern im Internet kaum erklären.
Zurück von unserem Höllenausflug auf Major Bay waren wir einfach nur erleichtert, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Die Sonne stand schon tief, das Meer war ruhig und der Tag neigte sich langsam dem Ende zu.
Wir entschieden uns, den Abend ganz entspannt mit einem Spaziergang am Strand ausklingen zu lassen, barfuß im Sand, mit dem Rauschen der Wellen im Ohr.
Einer der schönsten Strände, den wir gesehen haben, war der Tropic of Cancer Beach.



Der Sand dort war so fein, dass er fast schon seidig unter den Füßen war.
Das Wasser war klar, ruhig und endlos. Es gab dort keine Boote, keine Musik, keine Menschenmassen. Man sitzt einfach da, hört das Rauschen des Wassers und vergisst für einen Moment alles.
Auch der Coco Plum Beach war ein kleiner Rückzugsort. Vor allem bei Ebbe kann man hier ewig weit hinauslaufen.

Das Wasser ist so flach, dass man stellenweise bis zum Horizont spazieren könnte. Perfekt für alle, die einfach ihre Ruhe wollen.

Forbes Hill Beach auf Exuma ist ein echter Geheimtipp. Der Sand schimmert hier leicht roséfarben, und das Wasser ist kristallklar. Der Strand ist meist menschenleer, perfekt für alle, die Ruhe suchen. Besonders spannend ist die kleine Klippe am Rand des Strandes.
Dort kann man hochklettern und hat einen tollen Blick über die Bucht.
Ein entspannter Zwischenstopp



Während unseres Aufenthalts auf Exuma haben wir einen kleinen Abstecher zur Splash Beach Bar gemacht, direkt am Strand in George Town. Die Atmosphäre war total entspannt, nichts Überkandideltes, einfach barfuß im Sand, ein Drink in der Hand und Blick aufs Meer.

Wir haben dort etwas gegessen, einen Cocktail an der kleinen Strandbar getrunken und einfach den Moment genossen.
Ein schöner Ort, um kurz durchzuatmen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Reise-Tipps
Fortbewegung auf Exuma
Wir selbst hatten keinen Mietwagen auf Exuma, was es an einigen Stellen ehrlich gesagt etwas umständlich gemacht hat. Die Insel ist zwar nicht riesig, aber ohne eigenes Fahrzeug ist man doch ziemlich eingeschränkt. Taxis gibt es zwar, aber sie sind teuer, selten verfügbar und nicht besonders flexibel. Viele Wege haben wir deshalb zu Fuß zurückgelegt oder uns von unserer Unterkunft fahren lassen, wenn es sich nicht anders lösen ließ. Wer wirklich unabhängig unterwegs sein möchte, dem würde ich rückblickend trotzdem empfehlen, sich einen Mietwagen zu organisieren. Allein schon, um die schönen Strände auf eigene Faust und ohne Zeitdruck entdecken zu können.
Anreise nach Exuma
Direktflüge von Miami nach Exuma gibt es nicht. Die Route führt in der Regel über Nassau. Wir sind zuerst von Miami nach Nassau geflogen und haben dort eine Nacht verbracht, bevor es am nächsten Tag mit einem kleinen Flieger weiter nach Exuma ging. Die Flugzeit von Miami nach Nassau beträgt etwa eine Stunde, von Nassau nach Exuma nochmal rund 40 Minuten. Für die komplette Strecke, also Hin- und Rückflug, kann man mit etwa 250 bis 350 Euro rechnen, abhängig von Airline und Buchungszeitpunkt. Wer entspannt reisen möchte, sollte definitiv Zeitpuffer einplanen. Gerade auf kleineren Inseln kann es zu Verspätungen oder Flugänderungen kommen, die nicht immer sofort kommuniziert werden.
Bootstouren zur Pig Island
Viele, die Exuma besuchen, möchten unbedingt zu den berühmten schwimmenden Schweinen auf Pig Island. Für eine geführte Bootstour muss man mit Preisen ab etwa 190 Dollar pro Person rechnen. Private Touren liegen oft weit darüber, bis zu 3.600 Dollar sind keine Seltenheit.
Ich kann diesen Ausflug auf die kleine Insel nicht empfehlen, da der Ausflug am Ende keinerlei Mehrwert bietet.
Essen auf Exuma
Was das Thema Essen betrifft, ist Exuma leider keine einfache Insel, vor allem nicht, wenn man wie ich Vegetarierin ist und zusätzlich mit Zöliakie reist. Ich war froh, dass ich noch glutenfreies Toastbrot aus Miami mitgebracht hatte, denn im Supermarkt war die Auswahl sehr überschaubar. Frisches Obst und Gemüse gab es kaum und als wir dann einen Supermarkt mit mehr Produkten fanden, waren diese kaum zu bezahlen.


Die meisten Speisen, die in den Restaurants angeboten werden, basieren auf Fisch oder Meeresfrüchten, besonders auf Conch.
Conch ist auf den Bahamas fast überall zu finden. Gemeint ist damit eine große Meeresschnecke mit einem auffällig rosafarbenen Gehäuse. Man bekommt es auf Exuma wirklich in allen möglichen Varianten. Ob als Salat, frittiert, gegrillt oder sogar als Burger. Es scheint, als würde dort jede Speisekarte mindestens ein Gericht mit Conch enthalten.
Wenn man also auf eine bestimmte Ernährung angewiesen ist, sollte man sich definitiv gut vorbereiten. Ich würde empfehlen, einen kleinen Vorrat mitzunehmen, zumindest das Nötigste, denn die Preise in den wenigen Märkten sind hoch und das Angebot stark begrenzt.
Posten | Kosten (ca.) | Bemerkung |
Flug Miami – Nassau – Exuma (Hin & Rück) | 380 – 550 Euro p.P. | Je nach Saison & Airline |
Übernachtung Airbnb | 200 – 300 Euro pro Nacht | Saubere, einfache Unterkunft, kein Luxus |
7 Nächte Unterkunft | 1.400 – 2.100 Euro gesamt | Durchschnittlich 250–300 Euro pro Nacht |
Mietwagen Exuma (optional) | 80 – 100 Euro pro Tag | Auf Exuma fast notwendig, aber teuer |
7 Tage Mietwagen | 560 – 700 Euro | Preis variiert je nach Anbieter |
Kajakverleih | kostenlos – 20 Euro/Tag | In manchen Unterkünften inklusive |
Bootstour Pig Island (optional) | 150 – 250 Euro p.P. | Gruppentouren (inkl. Schwimmen mit Schweinen) |
Verpflegung (Supermarkt & Essen gehen) | 25 – 45 Euro p.P. / Tag | Vegetarisch und glutenfrei eingeschränkt & teuer |
Gesamtkosten pro Person (ca.) | 2.200 – 2.800 Euro | Bei 7 Tagen, ohne Luxus, mit etwas Eigenverpflegung |
Fazit: Zwischen Traumstrand und ehrlicher Realität
Unsere Reise nach Exuma war nicht einfach nur Urlaub, sondern eine Erfahrung und zwar eine, die ehrlich war, intensiv und auch anstrengend. Es war nicht das typische “alles perfekt” Erlebnis, das man manchmal online sieht. Es war echt und alles andere als perfekt.
Die Insel ist landschaftlich wunderschön. Diese Farben, das klare Wasser, die einsamen Strände ,das ist beeindruckend und hat mich oft innehalten lassen.
Gleichzeitig ist Exuma aber auch eine Insel mit Schattenseiten. Die Infrastruktur ist schwach, vieles vor Ort ist teuer und nicht immer in gutem Zustand. Die Unterkunftssituation kann schwierig sein, gerade wenn man ohne großes Budget reist.
Nicht alles, was man vorher im Netz sieht, entspricht der Realität. Gerade der Ausflug nach Pig Island Major Bay war das beste Beispiel dafür. Social Media zeigt eine heile Welt mit süßen Schweinen im türkisblauen Wasser, die Wirklichkeit sah leider etwas anders aus.
Das bedeutet nicht, dass die Reise schlecht war, aber sie war eben nicht so glatt, wie man es von typischen Urlaubsorten kennt. Ich finde es wichtig, das genauso auch zu erzählen.
Nicht, um etwas schlechtzureden, sondern damit man weiß, worauf man sich einlässt.
Wenn ich Exuma nochmal bereisen würde, dann auf eine andere Art. Ich würde mir in Miami ein Boot mieten, Proviant einkaufen und damit von Insel zu Insel fahren. So sieht man die schönen Seiten der Bahamas, bleibt unabhängig und ist versorgt. Gerade weil Essen, Transport und Unterkünfte vor Ort oft nicht das bieten, was man erwartet.
Trotz allem war diese Reise wertvol, weil sie mir gezeigt hat, dass nicht jeder Traumstrand auch ein Traumurlaub sein muss. Aber dass genau diese ehrlichen Erlebnisse oft mehr im Kopf bleiben als jede Hochglanzkulisse und manchmal reicht das, denn man hat Erfahrungen gesammelt.
Würde ich dieses Reiseziel einem anderem Reiseziel bevorzugen?
Nein, ich würde dieses Reiseziel einem anderen nicht vorziehen. Ich habe es gesehen, auf meiner Bucketlist abgehakt, meine Erfahrungen gemacht und die Karibik für mich erstmal abgeschlossen.
INFO
Für alle, die sich vegan oder glutenfrei ernähren bzw. Zöliakie haben, kann ich Exuma nicht empfehlen.
Auf Exuma sind die Möglichkeiten sehr eingeschränkt.
In diesem Fall würde ich eher Nassau vorziehen.
Ich empfehle aber, sich auf jeden Fall vorher noch einmal intensiv über die Essenssituation und die vorhandenen Möglichkeiten zu informieren.
Sehr hilfreiche, ehrliche Reisebeschreibung, die einem die Entscheidung für oder wider echt erleichtert. Super! Danke dafür und gern mehr davon🤩